
Ganz sicher hat jede Art der Fortbewegung ihren Reiz und auch ihren Platz. Ich gebe offen zu, dass ich nie diese Wanderfraktion verstanden habe oder gar die Radfahrer, die sich bei Wind und Wetter einen Berg mit 20 % Steigung hochquälen und unter Einsatz des Lebens auf einspurigen Straßen mit linksverkehrunerfahrenen Autofahrern rumärgern müssen. In Zeiten des Tour de France- Hypes tauchen übrigens immer mehr Radfahrer in gelben Trikots auf schottischen Straßen auf. Ich mache mir bei strömenden Regen gerne mal den Spaß, am Berg langsam an der pedalierenden Schar vorbei zu fahren und dabei laut "Ulle" zu schreien...
Nein, wenn man über einen Radius von 50 Kilometern hinaus etwas von dem Land sehen will, bedarf es einer anderen Form der Mobilität. Inlandsflüge sind Käse, Züge sind teuer, und das Schienennetz ist auch nicht wirklich überzeugend, Überlandbusse sind günstiger und erreichen auch abgelegenere Winkel, aber wirklich frei in seiner Zeiteinteilung und wetterunabhängig ist man natürlich nur im Mietwagen.
Der Luxus hat allerdings auch seinen Preis. Unter 18 Pfund pro Tag sind selbst die kleinsten Wagen kaum zu kriegen, obwohl es kleinere Autovermieter gibt, die auf Wunsch den Wagen auch zum Flughafen bringen. Von den größeren Verleihern ist Alamo der günstigste. Hertz sollte man weiträumig umgehen, auch wenn Ryanair diese Firma empfiehlt. Im Gegensatz zu den Flügen von Ryanair sind die Autos von Hertz allerdings alles andere als günstig.
In den Sommermonaten ist es zudem unerlässlich, das Auto vorher per Internet zu reservieren oder -noch besser, weil billiger- gleich im Reisebüro zu buchen. Da die gesetzliche Haftpflicht in Großbrittanien nur 500.000 Pfund abdeckt, ist zudem zum Abschluss einer sogenannten "Mallorca- Police" zu raten. Der ADAC bietet diese Zusatz- Haftpflicht recht günstig an, die einen vor den Risiken eines selbstverschuldeten Personenschaden schützt, den man beim ungewohnten Linksverkehr jedenfalls nicht völlig ausschließen kann.
Der Verkehr in Schottland ist eh so eine Sache für sich. Auch wenn das
Verkehrsaufkommen selbst in der Hauptreisezeit nicht annähernd so hoch ist
wie in Deutschland, bieten die schottischen Straßen für den ungeübten
Fahrer den einen oder anderen Fallstrick. Natürlich ist der Linksverkehr an
sich schon gewöhnungsbedürftig, doch in bestimmten Situationen ist er
doppelt fatal: Dadurch, dass das Steuer auf der rechten Seite ist, wird die
Gangschaltung natürlich auch mit der linken Hand bedient, was sehr viel
schwieriger ist, als es erstmal klingt. Ferner werden in Schottland
Straßenkreuzungen anders als in Deutschland regelmäßig mit einem
"roundabout", einem Verkehrskreisel, gelöst, wodurch man selbst auf
Landstraßen zu plötzlichen Gewschwindigkeitsanpassungen gezwungen wird.
Eingefahren wird in den Kreisel natürlich linksrum, und der Kreisverkehr hat
immer Vorfahrt.
Eine besondere schottische Eigenheit sind außerdem die sogenannten "passing places". Da die Verkehrsdichte gerade im Norden, wie gesagt, sehr gering ist, sind dort viele Strecken noch einspurig. Da man aber nicht völlig ausschließen kann, dass einem mal wer entgegenkommt, gibt es alle paar Hundert Meter Haltebuchten, an denen man den Gegenverkehr passieren lässt. Dumm ist es nur, wenn einem der Gegenverkehr gerade in der Mitte zwischen zwei Haltebuchten begegnet, denn dann muss man sich irgendwie verständigen, wer nun zum passing place zurückfährt. Je nach Zustand und Zuschnitt der Straße kann das schon mal recht abenteuerliche Ausmaße annehmen. Am Berg hat grundsätzlich Vorfahrt, wer von unten kommt.
Eine weitere kleine Besonderheit ist das Gesetz, dass in Schottland Schafen grundsätzlich Vorfahrt einräumt. Wenn ein Schaf also die Straße überquert, hat man brav zu warten; wenn es sich das Schaf auf der Straße gemütlich macht ebenfalls.