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Im Juli 2000 war endgültig wieder Ernüchterung zu spüren auf Schalke. Nach der verpassten UEFA-Cup- Qualifikation war mit "Kampfschwein" Marc Wilmots die Symbolfigur der Schalker Eurofightertruppe entnervt nach Bordeaux geflüchtet. Olaf Thon, ebenfalls mit Heldenmythos ausgestattet, war auf Betreiben von Trainer Stevens wegen seiner vielen Verletzungen als Kapitän der Mannschaft abgewählt worden und Manager Assauer verpflichtete als neuen Heilsbringer ausgerechnet Andy Möller, die Heulsuse aus Lüdenscheid, der in seiner Person all das vereint, was man auf Schalke leidenschaftlich hasst. Suboptimale Ausgangsbedingungen also...
Doch man sollte sich im Ruhrpott und in ganz Deutschland noch die Augen
reiben! Zum Auftakt gab es im Parkstadion einen verdienten 2:1- Erfolg
über Aufsteiger Köln, der nach Toren von Sand und Mpenza am Ende aber
doch noch erzittert wurde. Sehr viel sachlicher ging es dann beim 4:0 in
Rostock (3 x Mpenza, Sand) und beim "Sandsturm" gegen Cottbus (3:0, 3 x
Sand) zu und Schalke war Tabellenführer. Nach durchwachsenen Auftritten bei
1860 München und gegen Bremen, folgte dann ein Tag, den jeder aufrechte
Schalker seitdem fest als Feiertag gebucht hat: Am 23. September ging es
nach Lüdenscheid und der BVB bekam eine derbe Lehrstunde! Böhme per Elfer,
Mpenza nach Vorlage von Latal, Heinrich, der sich selbst einen reingemacht
hat und Ebbe Sand sorgten schließlich für den 0:4- Endstand. Der schönen
Reminiszenz an den Vereinsnamen verdanken es die Dortmunder dann wohl
auch, dass
die Schalker in der letzten Viertelstunde das Toreschießen einstellten,
denn Chancen gab es noch einige. Nach diesem wunderschönen, sonnigen
Herbsttag war man dann auch schnell darüber weg, dass es am 7. Spieltag beim
HSV mit 0:2 die erste Saisonniederlage gab.
Während die Liga gebannt dem Duell Hoeneß gegen Daum wegen dessen großer Pupillen am Spielfeldrand zusieht, kehrt Schalke mit dem inzwischen schon obligatorischen 4:0 gegen Frankfurt wieder in die Erfolgsspur zurück (2 x Böhme, Latal, Happe).
Am 12. Spieltag folgte dann nach lausigen Auftritten in Freiburg (1:3), in
Kaiserslautern (2:3, nach 2:0 Führung) und gegen die koksgeschwächten
Leverkusener (0:0) mit Bayern München der richtige Aufbaugegner. Es wird
im Verlauf der Saison noch auffallen, dass Schalke gegen die direkten
Konkurrenten nie verliert. Gegen Bayern gibt es nach einem der besten
Saisonspiele einen verdienten 3:2- Sieg und für Andy Möller nach 14
Profijahren erstmals das neue Gefühl, dass das Schalker Publikum einen
Treffer von ihm bejubelt. Als es dann in der nächsten Woche beim
Hauptstadtverein formerly known as Tabellenführer wieder das
Lieblingsresultat gibt (3 x Sand, Böhme), bekommt man als Schalke- Fan
ein Gefühl, das man lange nicht mehr hatte: Da geht was, dieses Jahr!
Der mühsame 2:1- Erfolg gegen Bochum, bei dem Altstar Youri Mulder nach
langer Verletzung sein Comeback gleich mit einem Tor krönt, untermauert
dieses Gefühl noch, denn trotz schlechter Leistung Spiele zu gewinnen,
ist eine Fertigkeit, die den Bayern seit Jahren Titel um Titel bringt.
Ebbe Sand steuert den Siegtreffer bei, seinen zwölften (nach 14 Spielen!),
und bestätigt seine Topform, in der er zum mit Abstand besten Stürmer
der Liga avanciert.
Nach weiteren Siegen gegen Stuttgart und in Unterhaching hat Schalke 04
sich erstmals seit 29 Jahren den Herbstmeistertitel gesichert und auch
nach 19 Spieltagen überwintert die Mannschaft auf dem Spitzenplatz. Der
vollkommen unromantische Manager Assauer dazu: "Ich verzichte sofort auf
den Herbstmeistertitel, wenn ich dafür den 5. Platz am Saisonende
garantiert bekomme." Die Fans dagegen schwelgen verzückt in heimlichen
Meisterträumen und feiern vermutlich das schönste Weihnachtsfest seit
Jahren.
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