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Die Saison 2000/2001

Der Meister der Herzen...
oder: 4 Minuten Fußballhimmel

Im Juli 2000 war endgültig wieder Ernüchterung zu spüren auf Schalke. Nach der verpassten UEFA-Cup- Qualifikation war mit "Kampfschwein" Marc Wilmots die Symbolfigur der Schalker Eurofightertruppe entnervt nach Bordeaux geflüchtet. Olaf Thon, ebenfalls mit Heldenmythos ausgestattet, war auf Betreiben von Trainer Stevens wegen seiner vielen Verletzungen als Kapitän der Mannschaft abgewählt worden und Manager Assauer verpflichtete als neuen Heilsbringer ausgerechnet Andy Möller, die Heulsuse aus Lüdenscheid, der in seiner Person all das vereint, was man auf Schalke leidenschaftlich hasst. Suboptimale Ausgangsbedingungen also...

Doch man sollte sich im Ruhrpott und in ganz Deutschland noch die Augen reiben! Zum Auftakt gab es im Parkstadion einen verdienten 2:1- Erfolg über Aufsteiger Köln, der nach Toren von Sand und Mpenza am Ende aber doch noch erzittert wurde. Sehr viel sachlicher ging es dann beim 4:0 in Rostock (3 x Mpenza, Sand) und beim "Sandsturm" gegen Cottbus (3:0, 3 x Sand) zu und Schalke war Tabellenführer. Nach durchwachsenen Auftritten bei 1860 München und gegen Bremen, folgte dann ein Tag, den jeder aufrechte Schalker seitdem fest als Feiertag gebucht hat: Am 23. September ging es nach Lüdenscheid und der BVB bekam eine derbe Lehrstunde! Böhme per Elfer, Mpenza nach Vorlage von Latal, Heinrich, der sich selbst einen reingemacht hat und Ebbe Sand sorgten schließlich für den 0:4- Endstand. Der schönen Reminiszenz an den Vereinsnamen verdanken es die Dortmunder dann wohl auch, dass die Schalker in der letzten Viertelstunde das Toreschießen einstellten, denn Chancen gab es noch einige. Nach diesem wunderschönen, sonnigen Herbsttag war man dann auch schnell darüber weg, dass es am 7. Spieltag beim HSV mit 0:2 die erste Saisonniederlage gab.

Während die Liga gebannt dem Duell Hoeneß gegen Daum wegen dessen großer Pupillen am Spielfeldrand zusieht, kehrt Schalke mit dem inzwischen schon obligatorischen 4:0 gegen Frankfurt wieder in die Erfolgsspur zurück (2 x Böhme, Latal, Happe).

1. Saisontor Am 12. Spieltag folgte dann nach lausigen Auftritten in Freiburg (1:3), in Kaiserslautern (2:3, nach 2:0 Führung) und gegen die koksgeschwächten Leverkusener (0:0) mit Bayern München der richtige Aufbaugegner. Es wird im Verlauf der Saison noch auffallen, dass Schalke gegen die direkten Konkurrenten nie verliert. Gegen Bayern gibt es nach einem der besten Saisonspiele einen verdienten 3:2- Sieg und für Andy Möller nach 14 Profijahren erstmals das neue Gefühl, dass das Schalker Publikum einen Treffer von ihm bejubelt. Als es dann in der nächsten Woche beim Hauptstadtverein formerly known as Tabellenführer wieder das Lieblingsresultat gibt (3 x Sand, Böhme), bekommt man als Schalke- Fan ein Gefühl, das man lange nicht mehr hatte: Da geht was, dieses Jahr! Der mühsame 2:1- Erfolg gegen Bochum, bei dem Altstar Youri Mulder nach langer Verletzung sein Comeback gleich mit einem Tor krönt, untermauert dieses Gefühl noch, denn trotz schlechter Leistung Spiele zu gewinnen, ist eine Fertigkeit, die den Bayern seit Jahren Titel um Titel bringt. Ebbe Sand steuert den Siegtreffer bei, seinen zwölften (nach 14 Spielen!), und bestätigt seine Topform, in der er zum mit Abstand besten Stürmer der Liga avanciert.

Herbstmeister Nach weiteren Siegen gegen Stuttgart und in Unterhaching hat Schalke 04 sich erstmals seit 29 Jahren den Herbstmeistertitel gesichert und auch nach 19 Spieltagen überwintert die Mannschaft auf dem Spitzenplatz. Der vollkommen unromantische Manager Assauer dazu: "Ich verzichte sofort auf den Herbstmeistertitel, wenn ich dafür den 5. Platz am Saisonende garantiert bekomme." Die Fans dagegen schwelgen verzückt in heimlichen Meisterträumen und feiern vermutlich das schönste Weihnachtsfest seit Jahren.

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