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Nach einer fantastischen Rückrunde der Saison 1995/96 war Schalke endlich wieder da, wo sie nach Meinung ihrer Fans einfach hingehörten; in den erlauchten Kreis der Besten Europas. Dritter war man zum Saisonabschluss unter Trainer Jörg Berger noch geworden, nachdem man zur Winterpause noch auf Platz 8 dahindümpelte (allerdings mit nur einem Punkt Rückstand auf einen UEFA- Cup- Platz.
Doch Schalke wird die Mannschaft der Rückrunde und legt mit Siegen in Düsseldorf (2:0) und gegen den HSV (3:0) einen beeindruckenden Start hin. Auch eine der peinlichsten Leistungen der gesamten Saison, als man gegen 8 Leverkusener erst in der Nachspielzeit noch ein 1:1 schafft, kann den Lauf der Knappen nicht stoppen. Nach ein paar Unentschieden kehrt die Berger- Elf wieder in die Erfolgsspur zurück und sichert sich nach Siegen gegen Stuttgart (2:0), Frankfurt (3:0) und Rostock (2:1) endgültig einen UEFA- Cup- Platz. Als Bonbon wird der verachtete Reviernachbar Schwarzgelb Lüdenscheid am vorletzten Spieltag nur Meister, weil Schalke die noch verhassteren Bayern in letzter Minute mit 2:1 besiegt.
Und weil es eine historische Leistung der Mannschaft war, seien hier die Namen derer genannt, die den Europapokalplatz sicherten: Lehmann, Thon, Müller, Eigenrauch, Linke, Latal, Scherr, Nemec, Dooley, Anderbrügge, Kurz, Büskens, Max, Mulder.
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Die Erstrundenpartie gegen den niederländischen Vertreter Roda Kerkrade
hat zunächst etwas von Kaffeefahrt. Sowohl das Hin- wie das Rückspiel werden
nämlich auf den frühen Nachmittag verlegt, damit möglichst viele Spiele live
übertragen werden können. Das Hinspiel gewinnen die Schalker durch Tore von Wilmots (2) und Anderbrügge klar mit 3:0 und man kann sich damit anfreunden, auch in der nächsten Runde noch dabei zu sein. Das Rückspiel geht 2:2 aus; Wagner und Wilmots schießen die Tore. |
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![]() Trotz der unschönen Umstände seines Abgangs hat Huub Stevens einen Ehrenplatz in der Galerie großer Schalker Trainer verdient. Nicht nur die letzten drei Titel fallen in seine "Regentschaft"; er war auch am längsten Trainer auf Schalke. Von Oktober 1996 bis Juni 2002 saß er auf der Schalker Bank. |
In der zweiten Runde gibt es dann ein neues Gesicht auf der Schalker Bank.
Berger wurde nach mannschaftsinternen Meutereien durch den Trainer des
Erstrundengegners Kerkrade, Huub Stevens, ersetzt. In der 2. Runde fällt der unvergleichliche Heimvorteil, den die Schalker wegen ihrer fanatischen Fans haben, etwas dünner aus, denn der türkische Vertreter Trabzonspor zieht auch ca. 10000 türkische Anhänger ins Stadion. Dem mühevollen 1:0 durch Max im Hinspiel folgt dann nach 2:0- Vorsprung im Rückspiel durch zwei De Kock-Tore noch eine Zitterpartie, aber nach dem 3:3 ist am Ende Schalke in der 3. Runde. | ||||
| Die 3. Runde bringt eine schneeverwehte 2:1- Niederlage beim FC Brügge. Den wertvollen Auswärtstreffer erzielt Mike Büskens mit seinem unnachahmlichen linken Hammer. Im Rückspiel gibt es ein solides 2:0 durch Max und Mulder und so reiben sich die vielen Anhänger im Parkstadion ungläubig die Augen. Ihr FC Schalke überwintert im UEFA- Pokal, während Titelverteidiger Bayern München schon in der 1. Runde gegen Valencia ausgeschieden war. |
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Abwehrspieler Thomas Linke sogte nicht nur dafür, dass hinten "die Null steht" sondern schaltete sich auch immer wieder vorne mit ein und erzielte, wie hier, wichtige Treffer. |
Eben jener FC Valencia stellt sich dann im Viertelfinale beim FC Schalke
vor- und wird mit einem sensationellen 2:0 nach Hause geschickt. Ich selber
muss im März 1997 schmerzlich erfahren, dass man in Indien, wo ich gerade
urlaubte, wenig Interesse an europäischem Spitzenfußball hat. Irgendwo am
Strand des südindischen Goa bekomme ich aber dennoch eine alte FAZ in die
Hände, aus der ich entnehmen kann, dass Schalke nach einem 1:1 in Valencia
ungefährdet das Halbfinale (!) erreicht hat. Und ich kann nicht genau sagen, ob die Fieberkrämpfe, die ich kurze Zeit später bekomme, der Malaria oder dem Fußballfieber geschuldet sind. | ||||
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Zum Halbfinale sitze ich wieder auf dem heimischen Sofa und da ich meinen
Bekanntenkreis so langsam mit meinem blauweißen Irsinn anstecke, sitzen wir
mit 20 Mann (die Frauen haben es in dieser Zeit nicht leicht) vor der
Glotze und saufen Veltins. Das Hinspiel beim vom heutigen S04- Trainer Jupp Heynckes gecoachten CD Teneriffa geht 1:0 verloren, obwohl Schalke Chancen für eine gesamte Saison hat. Gegen 10 Spanier gelingt nicht viel und symptomatischer Weise verschießt Johan de Kock in der 76. Minute auch noch einen Elfmeter. Da die Spanier in der 6. Minute besser zielen und einen unberechtigten Elfer gegen Lehmann versenken, geht das Spiel 0:1 aus Schalker Sicht aus und wegen des verletzungsbedingten Fehlens des kompletten Paradesturms Max/ Mulder sehen viele dem Rückspiel mit einem mulmigen Gefühl entgegen. |
Das Rückspiel im Parkstadion wird zum Geduldspiel. Vorrangig gilt das
Stevensche Motto "Hinten muss die Null stehen"; in der Offensive versucht
man das Spiel in die Breite zu ziehen, um über die Außen Standardsituationen
zu provozieren. Das Spiel geht auf: in der 68. Minute köpft Thomas Linke
nach Freistoß von Thon zum erlösenden 1:0 ein. Als dann Kampfschwein Marc
Wilmots in der Verlängerung wieder nach Freistoß Thon zum Siegtreffer
einköpft, erzittert das gesamte Ruhrgebiet! Schalke 04 ist im Finale des
UEFA- Cup und darf sich dort mit Inter Mailand messen. Niemand glaubt, dass
Schalke gegen diese Supertruppe eine Chance hat, aber jeder Schalke- Fan
ist einfach dankbar, dass er diesen Moment einmal erleben darf. Einer glaubt
doch an mehr: Manager Rudi Assauer: "Mit dieser ehrlichen Maloche schlägt
man jede Mannschaft auf der Welt." An diesem Tag wird auch ein Hit geboren: "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid" tönt es zum ersten Mal durch das Rund des Parkstadions. |
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| 1984 hatte Schalke viel Geld zahlen müssen, um Inter zum 80'jährigen Vereinsjubiläum für ein Spiel gewinnen zu können. Am 7. Mai 1997 treten die Mailänder in doppelter Hinsicht umsonst an, denn auch für die Superstars um Sforza und Zamorano gibt es auf Schalke nix zu holen. Obwohl Inter zunächst mächtig loslegt, steht die Abwehr um Thon, de Kock und Linke absolut sicher. In der gesamten UEFA- Cup- Saison wird Schalke zuhause kein Tor kassieren und mit 6 Siegen in 6 Spielen den Grundstein für den Gewinn des Cups legen. Niemals hatte der Begriff "kontrollierte Offensive" mehr Berechtigung als beim Finale. In der 70. Minute zahlt sich die Geduld der Schalker, die von über 60.000 fanatischen Zuschauern wie in Trance ununterbrochen angefeuert werden, endlich aus: Wieder einmal ist es das Kampfschwein Marc Wilmots, der nach einem unnachahmlichen Antritt von der Mittellinie aus 25 Metern abzieht und Inter- Tormann Pagliuca keine Chance lässt. Die "Eurofighter", wie die Schalker mittlerweile ehrfurchtsvoll genannt werden, haben eine Hand am Pott, und es scheint, als ob dieser wunderschöne Traum nie zu Ende gehen kann... | ![]() Erst vor der Saison auf Schalke gekommen, spielte sich Marc Wilmots besonders durch seinen unglaublichen Einsatzwillen in die Herzen der Schalker Fans. Einen Ehrentitel wie "Kampfschwein" muss man sich auf Schalke erstmal erarbeiten. Mit seinen 6 Treffern im UEFA- Cup 96/97 (plus der Elfer in Mailand!) hat er sich für immer unauslöschlich ins kollektive Gedächtnis der großen Schalker Fangemeinde eingebrannt. | ||||
![]() Die Schalker Fans sind einmalig. Egal, gegen welchen Gegner, egal wie weit die Anfahrt, die blauweiße Wand ist immer dabei. |
Im Rückspiel im ausverkauften Guiseppe- Meazza- Stadion in Mailand sitzen auch über 20.000 Schalker Fans. Weiß der Teufel, wie die an die hochbegehrten Karten gekommen sind, aber zum Mythos Schalke gehört eben auch, dass die Mannschaft in den schwersten Stunden niemals von ihren Fans im Stich gelassen wird. Auf die blauweiße Wand im Rücken können sich Thon & Co immer verlassen. 10.000 weitere Schalker sind ohne Karten in Mailand, einfach um "dabei zu sein", 30.000 verfolgen im Parkstadion die Live- Übertragung und auch in meiner WG ist wieder Hochbetrieb. | ||||
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Das Spiel verläuft erwartungsgemäß einseitig. Inter rennt gegen das
Schalker Abwehrbollwerk an, das aber mit dem überragenden Lehmann im Tor
standhält. Erst in der 85. Minute klingelt es dann doch noch im Schalker
Tor. Irgendwie taucht der Chilene Zamorano plötzlich frei vor Lehmann auf
und trifft aus 6 Metern zum 1:0. Verlängerung! Ganz ehrlich: Schalke schien stehend k.o., und in dem Moment hatte wohl nicht nur ich befürchtet, dass es das nun wohl gewesen ist. Irgendwie überstand die Stevens- Truppe aber auch die Verlängerung, und es schlug die Stunde des Jens Lehmann! |
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Ein Schalker Held mit Schattenseiten: Jens Lehmann, gebürtiger Ruhrpottler, verkörperte gemeinsam mit Spielern wie Büskens und Anderbrügge das neue Schalke der 90'er Jahre. Seit 1988 bei Schalke prägte er maßgeblich das Bild von der Kämpfer- und Malochertruppe mit. Unsterblich wurde er auch durch das erste Feldtor eines Torwarts in der Bundesliga- Geschichte- ausgerechnet gegen die Borussen, zu denen er 1999 wechselte. Damit hatte er zweifellos die Todsünde begangen, die ihn auch den verdienten Platz in der von den Fans gewählten Schalker "Jahrhundertelf" kostete.
Der Unterschied zwischen den beiden Revierrivalen S04 und BVB wurde nie
deutlicher als im Mai 1997. Während der BVB mit einem schönen,
aber undramatischen 3:0 die Champios- League gewinnt, werden die Schalker
erst durch die Hölle geschickt, bevor sie den größten Triumph der
Vereinsgeschichte feiern können. Das macht den Mythos Schalke aus und
unterscheidet die Blauweißen von den Erfolgen der börsennotierten
Lüdenscheider. Vor den Schalker Sieg hat der Fußballgott immer erst das Leid
gestellt. | Das Elfmeterschießen verfolge ich wie in Trance: Anderbrügge holzt den Ball in typisch deutscher Sachlichkeit rechts oben ins Netz. Für Inter läuft Zamorano an und... Lehmann hält!! Nie werde ich den Schuss in die linke untere Ecke (aus Torwartsicht) vergessen. Während Olaf Thon und Martin Max ihre Elfer sicher verwandeln, läuft vor meinem inneren Auge ein Film ab: Der bittere Abstieg 1981 und wie ich in der Schule gehänselt wurde, weil ich nicht Bayern- Fan war; das "Jahrhunderspiel" im DFB- Pokal 1984 gegen die Bayern; die Fahrstuhljahre und die Blamagen in der 2. Liga in Kassel und Meppen; die ewigen Turbulenzen auf den Jahreshauptversammlungen und die Trainerwechsel; die Fehleinkäufe... Dann läuft Aaron Winter an und verschießt! Die Stimme von Werner Hansch überschlägt sich, dreimal wird der verschossene Elfer wiederholt statt auf den nächsten Schalker Schützen umzuschwenken. Dann der Schwenk, Wilmots läuft schon an, Marc Wilmots trifft... eine Sekunde Stille, nachrechnen, war's das jetzt. Dann nur noch Jubel, Tränen und Glücksseligkeit. 20 Jahre bin ich 1997 schon Schalke- Fan; endlich kann ich auch mal einen Titel feiern. Die Tage danach vergehen für den ganzen Ruhrpott wie im Taumel. Dass man in der Liga kein Spiel mehr gewinnt, interessiert niemanden mehr. Den Namen Schalke kennt man nun auch in Europa.
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Unsterblich: Lehmann, van Hogdalem, Perreira, Linke, Eigenrauch, de Kock, Wagner, Kurz, Mulder Latal, Büskens, Held, Thon, Wilmots, Nemec, Müller, Max, Anderbrügge |